Für die nächsten Wochen habe ich Fleisch, Alkohol und Süßigkeiten aus meinem Konsum verbannt. Erst zu Ostersonntag werde ich wieder darauf zurückgreifen. Dann lasse ich mir Frikadellen aus Rinderhack mit einem Gläschen Rotwein schmecken, eventuell ergänzt von einem kleinen Stück Osterkuchen.
Ein Beitrag von Roland Greger

Die Fastenzeit beginnt jedes Jahr ein bisschen wie ein freundlicher Klaps auf die Schulter: „Hey, komm, lass uns mal wieder auf das Wesentliche schauen.“ Und genau das tun Christen seit Jahrhunderten, wenn am Aschermittwoch die vierzigtägige Vorbereitung auf Ostern beginnt. Diese Zeit ist nicht einfach irgendein Brauch, den man halt so macht, sondern sie geht direkt auf Jesus selbst zurück. Bevor er öffentlich wirkte, zog er sich 40 Tage in die Wüste zurück, fastete, betete, rang mit sich und vertraute ganz auf den Vater. Wenn du heute fastest, dann stellst du dich bewusst in diese Tradition. Du sagst damit: Ich möchte mich neu ausrichten, ich möchte Gott Raum geben, ich möchte mich innerlich auf das vorbereiten, was an Ostern gefeiert wird, nämlich das größte Geschenk, das Gott uns gemacht hat.
Vielleicht wirkt das auf den ersten Blick streng oder schwer, aber eigentlich steckt darin eine große Freiheit. Fasten heißt nicht, dass du dich quälst oder selbst bestrafst. Es heißt, dass du dir erlaubst, einmal aus dem Gewohnten auszusteigen. Du verzichtest nicht, weil du musst, sondern weil du willst. Du sagst: „Gott, ich möchte dir zeigen, dass du mir wichtiger bist als meine Gewohnheiten.“ Und ganz ehrlich: Es hat auch etwas Befreiendes, wenn du merkst, dass du nicht von Kaffee, Fleisch oder Süßigkeiten gesteuert wirst. Du entscheidest selbst, worauf du verzichtest, und genau darin liegt die Kraft dieser Zeit. Sie ist eine Einladung, kein Zwang.
Die 40 Tage haben eine tiefe Symbolik. In der Bibel steht die Zahl immer wieder für Veränderung und Neubeginn. 40 Tage Regen bei der Sintflut, 40 Jahre Wüstenwanderung, 40 Tage lang war Mose auf dem Berg Sinai. Es ist, als würde Gott sagen: „Nimm dir Zeit. Veränderung braucht Raum.“ Und diesen Raum schaffst du dir, wenn du fastest. Du wirst sensibler für das, was wirklich zählt. Du hörst besser hin. Du spürst klarer, was dir guttut und was nicht. Und du merkst vielleicht auch, wie gut es tut, Gott wieder bewusster in den Alltag einzuladen.
Du darfst diese Zeit gerne fröhlich und guten Mutes verbringen. Fasten ist nicht nur heiliges Schweigen mit ernster Miene. Manchmal ist es auch der Moment, in dem du vor dem Süßigkeitenregal stehst und dir selbst zuflüsterst: „Nein, heute nicht. Ich hab da gerade ein Projekt mit Gott laufen.“ Oder wenn du morgens ohne Kaffee dastehst und denkst: „Herr, steh mir bei.“ Diese kleinen Situationen gehören dazu, und sie machen die Fastenzeit menschlich, ehrlich und lebendig. Gott verlangt keine Perfektion von dir. Er freut sich über jeden Schritt, den du auf ihn zugehst, selbst wenn du dabei über deine eigenen Gewohnheiten stolperst.
Und ja, es stimmt: Fasten hat auch ganz praktische Nebenwirkungen. Viele Menschen berichten, dass sie klarer denken, besser schlafen oder sich leichter fühlen. Manche entdecken, dass sie gar nicht so abhängig von bestimmten Dingen sind, wie sie vielleicht dachten. Andere erleben, dass sie geduldiger werden oder bewusster essen. Das alles ist schön und wertvoll, und doch ist es nicht der Kern. Es ist eher ein Bonus, den du auf deinem Fastenweg geschenkt bekommst.
Denn am Ende geht es um etwas Größeres. Du fastest nicht für deine Gesundheit, nicht für deine Figur und nicht für dein Ego. Du fastest für Gott. Du nimmst dir Zeit, um dich innerlich auf Ostern vorzubereiten, auf das Fest der Auferstehung, auf das neue Leben, das Gott dir schenken will. Fasten ist ein Weg, ihm näherzukommen, ihm zu zeigen, dass du offen bist für das, was er in dir bewegen möchte. Es ist ein stilles, aber kraftvolles „Ja“ zu seiner Gegenwart in deinem Leben.
Wenn du fastest, dann gehst du diesen Weg nicht allein. Du gehst ihn mit Jesus, der selbst 40 Tage lang gefastet hat. Du gehst ihn mit Millionen Christen weltweit. Und du gehst ihn mit einem Gott, der dich liebevoll begleitet, auch dann, wenn du mal schwach werden solltest. Fasten ist kein Verzicht, sondern eine Hinwendung. Eine Zeit, die dich näher zu Gott führt und auf Ostern vorbereitet, auf das Fest, das alles verändert hat.