
Allerheiligen, der Tag, an dem ich mich plötzlich frage, ob ich genug Heilige kenne, um sie alle zu grüßen. Manche Kirchen haben Kalender, die so voll sind wie ein Fußballspielplan. Und irgendwo im Hintergrund flüstert jemand: „Betet doch zu ihnen, sie hören euch.“ Klingt freundlich, fast so, als hätten wir einfach mehr Freunde im Himmel.
Nur: Die Bibel erzählt die Geschichte etwas anders. In 1. Timotheus 2 steht ein Satz, der recht deutlich aufklärt, wie das mit der Fürsprache vor Gott ist:
„Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.“
Nicht mehrere, nicht eine ganze Mannschaft, nein, einer! Und in Johannes 14 spricht Jesus selbst:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“
Das ist kein Ausschluss der anderen. Das ist die Einladung, direkt zu Jesus zu gehen. Gleichzeitig macht das Neue Testament etwas Erstaunliches: Es nennt uns alle Heilige, jeden der aufrichtig glaubt. Römer 1, Epheser 1, Philipper 1 – da steht nicht „an die besonders Frommen“, sondern „an die Heiligen in Christus“. Heiligkeit ist kein Club für die besonderen Toten. Sie ist der Status aller, die zu Jesus gehören. Die „Wolke von Zeugen“ in Hebräer 12 ist eine Ermutigung: Sie haben durchgehalten. Aber der Blick geht nicht zu ihnen, sondern „auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens“.
Allerheiligen kann uns daran erinnern, dass wir nicht allein sind. Dass Glaube eine lange Geschichte hat. Aber er sollte uns nicht zu Zwischenhändlern schicken. Er sollte uns direkt zu dem einen schicken, der gesagt hat: Kommt freimütig zum Thron der Gnade. Und er darf uns fragen: Wenn wir alle Heilige sind – wie leuchten wir dann heute?
Nicht durch besondere Anrufungen, sondern dadurch, dass wir den einen Namen tragen, der über allen Namen ist: Jesus. Der Tag der Heiligen wird am schönsten, wenn er zum Tag des einen Heiligen wird, Jesus Christus. Alles andere ist Ablenkung.