
An Ostermontag feiern wir quasi den Ausklang des Osterereignisses, die Zeit nach der Auferstehung mit weitreichenden Konsequenzen. In der Bibel ist dieser Tag kein bloßer Feiertagsanhang, sondern ein Moment voller Bewegung, Begegnung und – man glaubt es kaum – viel Alltagskomik.
Da wären zum Beispiel die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie schlurfen missmutig die Straße entlang, diskutieren über die letzten dramatischen Tage, und plötzlich gesellt sich ein Fremder zu ihnen. Sie erkennen ihn nicht, obwohl sie ihm schon länger nachfolgen. Jesus scheint inkognito unterwegs zu sein. Während die beiden ihm die Ereignisse erklären, die er selbst durchlebt hat, bleibt er seelenruhig und lässt sie reden, vielleicht mit einem leisen Schmunzeln, das die Evangelien uns verschweigen.
Erst beim Abendessen fällt der Groschen: Beim Brotbrechen erkennen sie ihn. Aber da ist er plötzlich weg. Ein Überraschungsbesuch mit abruptem Abgang. Die beiden Jünger reagieren, wie wir es erwarten würden: Sie springen auf, rennen zurück nach Jerusalem und verkünden den anderen, dass Jesus lebt. Ostermontag ist also nicht der Tag des Ausruhens, sondern der Tag des Loslaufens, des Erkennens.
Dieser Tag zeigt uns also, dass die Auferstehung nicht einfach ein Wunder unter vielen ist, sondern ein Prozess des Begreifens. Die Jünger müssen lernen, die Welt neu zu sehen. Jesus begegnet ihnen dabei nicht spektakulär, sondern in der Normalität eines Spaziergangs und eines Abendessens. Irgendwie steckt Ironie in dieser Szene: Der Sohn Gottes, frisch auferstanden, entscheidet sich nicht für eine triumphale Parade, sondern für eine Wanderung mit zwei frustrierten Freunden, die ihn nicht erkennen.
Und vielleicht liegt genau darin die Bedeutung des Ostermontags. Er erinnert daran, dass das wir Gott im Alltag finden können, dass Erkenntnis manchmal erst beim zweiten Hinschauen kommt. Und dass Gott offenbar Sinn für feinen Humor hat. Ostermontag ist der Tag, an dem der Himmel jubelt, und wir sind eingeladen, mitzujubeln.